Der Eiskeller ist sicherlich für manche Menschen ein Begriff, jedoch wohl für die meisten ein ausgestorbenes Überbleibsel aus vergangener Zeit. Ältere Generationen können sich sicher noch zurück erinnern, an Zeiten, in denen es noch keine Kühlschränke und Kühlaggregate gab. Das war ein Problem.
Aus diesem Problem heraus ist der Eiskeller entstanden. Ganz am Anfang, als die Menschen damit angefangen haben, die Lebensmittel mit Eis zu kühlen, wurde einfach Schnee im Winter dazu verwendet. Hierfür wurden die Lebensmittel oberirdisch aufgehäuft (Kohlköpfe oder Wurzelgemüse) und dick mit Schnee bedeckt. Die Lebensmittel blieben so den langen Winter über frisch und man konnte jederzeit Gemüse aus dem Schneehaufen entnehmen. Leider ist dieser Naturkühlschrank im Frühjahr dahingeschmolzen und vorbei war es mit dem Kühlen. So wurde einfach wieder auf den nächsten Winter gewartet wo der Kreislauf wieder seinen Anfang genommen hat. Doch was war eigentlich, wenn man Lebensmittel auch im Sommer kühlen mußte?
Es gibt viele Bilder und Fotos zum Thema Eiskeller im Internet oder in Büchern. Dieses Problem hat die Menschen dazu geführt, die Eiskeller zu bauen. Ein Eiskeller ist ein unterirdischer Raum, in dem Eisblöcke gelagert werden, die den ganzen Sommer über nicht schmelzen oder nur sehr langsam schmelzen. So wurden Abgänge mit bis zu 5 Metern schräg in die Erde gegraben und unten dann mit einem Gewölbekeller ausgestattet. Selbstverständlich war auch ein Lüftungssystem eingebunden, daß den Luftaustausch möglich machte, um Schimmel zu vermeiden. Auch die Zugluft sorgte für kühle Temperaturen im Eiskeller. Doch wo kam das Eis eigentlich her? Sicher nicht vom Eismann um die Ecke. Im Gegenteil. Das Eis war kostenlos und jeder holte sich so viel er brauchte. Und zwar aus Flüssen und Seen im Winter. Damals waren die Winter noch etwas strenger als heute. Die Eisschichten waren selbst auf fließenden Gewässern sehr dick und immer zugefroren. Es wurden Gruppen mit Pferdegespannen organisiert. Die Menschen fuhren zusammen an den Fluß und sägten auf der Eisoberfläche des Flusses große Blöcke aus dem Eis heraus. Das war leider auch immer mit Gefahren und tödlichen Unfällen verbunden. Auf der rutschigen Oberfläche aus Eis und Wasser war es nicht so einfach, den sicheren Stand zu halten. Vor allem in der Hitze des Gefechtes. So kam es vor, daß Personen in ein frisch ausgesägtes Loch in den Fluß gefallen sind und durch die Strömung abgetrieben wurden. Das war der sichere Tod. Erstens die kühlen Temperaturen des Wassers und keine Möglichkeit durch die Eisoberfläche wieder an die Luft zu kommen. Ja, Ja, das waren andere Zeiten als heute. Die so herausgeschnittenen Eisblöcke wurden dann mit den Pferdegespannen zum Eiskeller gezogen, wo diese schnell eingelagert wurden. Der Keller wurde fast ganz voll gefüllt. Nur ein kleiner Platz für die Lebensmittel wurde freigehalten. Dieser Kühlschrank sorgte jetzt den ganzen Sommer über bis zum nächsten Winter für kühle Temperaturen. Im kommenden Winter begann das Spiel von neuem. Spätestens jetzt sollte man sehen, wie bequem uns der Fortschritt das Leben bereitet hat.
In unserem Ort, wo wir leben, gibt es eine Brauerei (älteste Brauerei Altbayerns) wo der Eiskeller noch vorhanden, aber nicht mehr genutzt wird. Dieser Keller hat von der Oberseite her noch ein Loch, wo das Eis hinabgelassen wurde. Zwischenzeitlich wurde der alte Eiskeller auch als Schießstand des Schützenvereins genutzt, so weit geht das Gewölbe in die Länge. Der Eiskeller wurde damals zum kühlen des Bieres genutzt. Auch während des Gährens mußte die Kühlung durch den Eiskeller genutzt werden, da Untergäriges Bier tiefe Temperaturen benötigt, um nicht schlecht zu werden. Das geht aber heute alles mit Kühlaggregaten im Kühlraum. Der alte Braumeister hat uns schon oft vom Eisholen am Fluß Regen erzählt. Wir lauschen stehts gebannt zu und können uns kaum vorstellen, wie sich das alles damals zugetragen hat. Auch bekam jeder Helfer nach dem Eis holen soviel Bier wie er wollte. Aber damals, und das muß gesagt werden, gab es zwei verschiedene Bierqualitäten. Zum einen das normale Bier für die angesehen und betuchten Bürger, zum anderen das sogenannte Arbeiterbier. Das Arbeiterbier war fast schon wie Wasser. Es wurde aus der Treber, die als Abfallprodukt beim brauen übrig blieb nochmals gebraut. So wurde keine so hohe Stammwürze mehr erreicht und folglich auch der Alkoholgehalt niedriger. Dieses Bier wurde für die Arbeiter ausgeschenkt. Auch heute ist das natürlich nicht mehr denkbar. Aber damals konnte sich der Arbeiter nur dieses Bier leisten.
Es gab aber nicht nur Brauereien, die den Eiskeller für sich genutzt haben, sondern auch Eishändler, die an reiche Leute Eisblöcke im Sommer über verkauften. Es gab damals Holzschränke, in die einfach ein Eisblock gelegt wurde. So waren auch hier kühle Temperaturen gewährleistet. Die Eishändler hatten richtige unterirdische Hallen, worin die Eisblöcke auch das ganze Jahr über zum Teil erhalten blieben. Leider konnten sich aber damals nicht so viele Menschen diese Eisblöcke leisten.
Wir werden uns Mühe geben, Ihnen von diesem Eiskeller Bilder und Fotos zu präsentieren. Heute findet man den Namen Eiskeller noch sehr oft in der Gastronomie wie Disco oder Städtenamen. Im Eiskeller herrschen eisige Temperaturen. Ob unser Erdkeller als Eiskeller verwendet werden könnte, müßte rausgefunden werden. Vielleicht wäre es da besser, wenn er tiefer liegen würde. Wir hoffen Ihnen einen kleinen Einblick in die Geschichte der Eiskeller gegeben zu haben.